Affinity Photo, der mögliche Photoshop-Killer?

Affinity Photo, der mögliche Photoshop-Killer?

 

Dotpulse wechselt von Adobe Photoshop zu Affinity Photo aus dem Hause Serif (www.serif.com).

Gründe, Adobe langsam den Rücken zu kehren gibt es genügend. Die drei wichtigsten für unseren Entschluss waren folgende: anders als Photoshop wird Affinity Photo als Dauerlizenz vertrieben, ist benutzer-zentriert konzipiert , enthält eine ebenso umfassende Feature-Palette und ist dabei erst noch um ein vielfaches günstiger. Grund genug für uns, sich nach einer geeigneten Photoshop-Alternative umzuschauen. Aber keine Angst, wir werden weiterhin Photoshop Files öffnen und bearbeiten können. Ganz abgewendet von Adobe haben wir uns nicht.

 

Ein paar Worte zu Aufbau und UI

Affinity Photo ist in fünf unterschiedliche Arbeits-Bereiche unterteilt, die Personas genannt werden: Photo (entspricht in etwa der Standardansicht in Photoshop), Liquify, Develop (für RAW-Bilder), Macro und Export. Je nach Vorhaben wählt man die entsprechende Arbeitsumgebung.

Auf den ersten Blick erinnert die anthrazit-farbene Oberfläche stark an die aktuelle Photoshop CC-Version, ebenso die Toolbar und der Ebenenaufbau. Aber der Schein trügt. Es ist nicht Photoshop und gibt auch nicht vor es zu sein. Die bunten Icons z.B. sind ein Augenschmaus! Als Gegenargument könnte man aufführen, dass bunte Icons die Farbwahrnehmung stören. Ich persönlich empfinde jedoch farbige Icons einfacher lesbar und besser zu unterscheiden als monochrome. Aber da hat wohl jeder seine eigenen Vorlieben. Das Interface wirkt allgemein sauber und ordentlich, alle Tools sind zugänglich per default.
Affinity Photo vs. Adobe Photoshop
Ein Auszug aus der Feature-Liste

Anbei einige interessante Features, die Affinity Photo bietet:

  • live previews, live tools, real time editing
  • 8000+ step saveable undo history
  • quickly make masks from selections
  • colour Pickup Tool works outside the Affinity application space
  • open, edit and save very large PSD files
  • PDF and Vector Format Support: open, fully edit and save
  • see how other people’s files were edited

Und wer noch mehr Argumente braucht, um überzeugt zu werden, hier geht’s zur vollständigen Feature-Liste.

 

Vor- und Nachteile

Im Gegensatz zu Photoshop ist Affinity Photo in einigen Punkten etwas schneller und unterstützt auch Retina-Displays, mehrere Bildschirme und Mehrkern-Prozessoren. Jede Modifikation bietet zwischen einer und vier Wahlmöglichkeiten, um den angestrebten Look auszuloten, ein real-time Vorher/Nachher-Slider und das handliche slider-basierte History-Tool, das einen zu jedem Zeitpunkt der Bildbearbeitung vor- und zurückspringen lässt, sind ebenfalls ein Plus gegenüber Photoshop.

Daneben hat Affinity auch Potential mit seinen umfassenden Foto-Retouche Funktionen zu glänzen. Dies sowohl für Standard als auch für RAW-Dateien. Es hat beinahe alle Tools, die Photoshop auch hat und dies zu einem unschlagbaren Preis von CHF 48.00! 

Als einziger Nachteil sehe ich im Moment das noch junge Alter der Software. Die Software hat gerade das Beta-Stadium hinter sich. Es wird wohl noch einige Anpassungen geben. Glaubt man dem Entwicklerteam, sollte aber auch das keine Hürde darstellen. Man habe stark von der Diskussion mit den Nutzern profitiert. „Die Betaphase war für uns unbezahlbar und wir haben rund um die Uhr gearbeitet, um die Funktionen und die Verbesserungen zu implementieren, die die Nutzer vorgeschlagen haben“, so Tony Brightman, der Entwicklungsleiter.

 

Tim Stief und seine Erfahrungen mit Affinity Photo

Affinity Photo hat zwar eine ähnliche Benutzeroberfläche wie Adobe Photoshop und die eingearbeiteten Tools sind ähnlich, doch der Workflow ist ein komplett anderer. Das bedingt, dass man seine Denkweise, die man sich über die Jahre in Photoshop erarbeitet hat, ablegen und sich neu in Affinity Photo orientieren muss.

Es beginnt bei den Shortcuts um die Tools schneller zu erreichen: es sind nicht mehr dieselben wie in Photoshop. Die Bezeichnungen der Menüpunkte haben sich ebenfalls grundlegend geändert.

Objekt Transformieren in…

…Photoshop: cmd + T

…Affinity Photo: Verschieben-Tool (V)

Im Prinzip ist Affinity Photo intuitiver zu bedienen und hat logische Arbeitsabläufe. Diese wirken allerdings fürs Erste nicht ganz logisch – zumindest wenn man die komplexen Abläufe von Photoshop gelernt und sich eingeprägt hat. Man muss das Tool neu lernen, sich damit intensiv auseinander setzen.

Serif hat für das Programm jetzt schon leistungsstärkere Tools ausgearbeitet, als Adobe sie in Photoshop eingesetzt hat. So ist das “Restaurieren” Tool unter Affinity merklich besser als das von Photoshop “Bereichsreparatur-Pinsel”.

Dafür sind einige Funktionen in Affinity Photo noch nicht so ausgereift wie in Photoshop.

Im Moment nutze ich die Stärken von Affinity Photo und ergänze sie mit denen von Photoshop. Dazu bearbeite ich in einem ersten Schritt das Bild in Affinity, nutze die hervorragenden Tools die es bietet und wechsle dann anschliessend in Photoshop um es dort fertig zu stellen.

Affinity Photo wurde erst einem Monat released. Doch es ist schon jetzt ein bemerkenswertes, leistungsstarkes Tool und kann durchaus Adobe die Stirn bieten.

Mal sehen was künftige Releases bringen werden. Ich bin auf jeden Fall gespannt!

 

Schlussfolgerung: 

Affinity Photo ist eine umfassende und vielseitige Software mit einer Fülle an professionellen Tools. Die Zukunft wird zeigen, ob sie sich breit durchsetzen wird oder alles nur Hype ist. Das hängt nicht zuletzt von dessen Weiterentwicklung ab. Wenn die Software dieselben Formate und Farbräume unterstützt – und das tut sie bereits – und mit anderer Software aus dem professionellen Publishing Umfeld kompatibel ist, gibts keinen Grund, der dagegen spricht, dass es nicht gegen Photoshop bestehen kann. Die Anzeichen, dass es sich zumindest in der Mac Community durchsetzten könnte, sehen schon mal vielversprechend aus.