Die Facettensuche – ein Schiff in SEOnot

Wer eine Facettensuche auf seiner Website einsetzt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er aus der SEO-Perspektive damit beginnt, mit einem mächtigen Schiff und wertvoller Fracht unter Volldampf und ohne Steuerrad durch die Weiten des Internets zu preschen. Wer nicht das geeignete Rüstzeug an Bord hat, läuft schnell auf Grund.

 

„Baut Websites in erster Linie für User!“ Die angedeutete Relativierung „in erster Linie“ in der Leitparole von Suchmaschinen wie Google fängt spätestens dann an Sinn zu ergeben, wenn es um die Facettensuche geht. Die Vorteile für den Nutzer durch ein solches Feature liegen sicherlich auf der Hand. Wenn es um die Suchmaschinenoptimierung (SEO) geht, handelt es sich aber um eine Waffe, die ebenso grosse Gefahren wie Potenziale birgt. Unbedingt gehört sie aber in die Hände eines geübten SEO-Navigators.

 

Was ist aber überhaupt eine Facettensuche?

Bei der Facettensuche oder auch facettierten Navigation handelt es sich um eine Art der Navigation, welche gerne in Online Shops eingesetzt wird. Anhand von Filterkriterien bzw. Produkteigenschaften kann der Nutzer bei der Suche nach Produkten die Anzahl der Ergebnisse seinen Vorstellungen entsprechend eingrenzen und / oder sortieren. Sind bspw. neue Schuhe am Mann gefragt und hat dieser sehr konkrete Vorstellungen, welche Art von Schuh dessen Füsse zukünftig schmücken darf, kann eine Facettensuche sehr hilfreich sein. Anstatt sich durch verschiedene sehr generische Kategorien klicken zu müssen, können über die Facettensuche Eigenschaften wie Typ, Farbe, Material, Marke usw. ausgewählt werden, sodass dem zielstrebigen Herren nur wirklich relevante Modell ausgespielt werden.

 

Ein Beispiel am allseits bekannten Online Shop Zalando zeigt das Prinzip am besten:

Facettierte Navigation SEO Zalando

Diese Form der Navigation hat gegenüber der traditionellen Strukturierung mittels statischer Kategorien also bestimmt einige Vorteile. Das gilt insbesondere für Shops mit einer grossen Menge an Produkten und Nutzern, welche eher mit konkreten Vorstellungen nach  Produkten suchen als mit völliger Inspirationslosigkeit. Ausschliesslich aus der Nutzerperspektive betrachtet lässt sich eine Entscheidung für oder gegen die Facettensuche auf der eigenen Website also nicht schwer fällen. Leider wird für solche Entscheidungen jedoch allzu oft die Expertise professioneller SEO-Beratung aussen vor gelassen, da den bis dato Beteiligten die Relevanz eines frühen Einbezug von derartiger Beratung nicht bewusst ist. Die Missachtung der Regel „Kein Launch ohne SEO“ verursacht regelmässig schmerzhafte Wunden bei Website-Betreibern. Am Beispiel der facettierten Navigation wir das sehr deutlich. Aber warum?

 

Potenziale und Gefahren der Facettensuche

Aus der SEO-Perspektive bietet eine Facettensuche sowohl Potenziale als auch grosse Gefahren. Beginnen wir mit den Potenzialen.

 

Die Potenziale

An erster Stelle haben wir eine hohe Nutzerfreundlichkeit. Diese bedeutet in aller Regel eine hohe Kundenzufriedenheit, geringere Absprungraten und viele Conversions. Wenn die Facettensuche logisch und übersichtlich aufgebaut ist, lässt sich das schwer bestreiten. Soweit, sogut.

An zweiter Stelle sei das Potenzial durch jede Menge automatisch generierter Landingpages genannt. Durch unterschiedlichste Kombinationsmöglichkeiten aus Filtern kommt sehr schnell eine grosse Anzahl an Pages zusammen, die grundsätzlich für relevante Suchanfragen der Suchmaschinennutzer ranken könnten.

 

Typischerweise geschieht das Entstehen dieser Pages durch das Hinzufügen eines Parameters zur URL der Suchergebnis-Page für jeden durch den User gewählten Filter. Ohne explizite Steuerung bedeutet jede einzigartige URL in den Augen der Suchmaschine auch eine neue und individuelle Page. Jede individuelle Page bietet also das Potenzial, von Suchmaschinen entdeckt, indexiert und auch gerankt zu werden. Soweit sogut, aber genau hier setzen gleichzeitig auch die Nachteile an, die klar machen, warum es so wichtig ist, dass auch ein Blick aus der SEO-Perspektive auf die Facettensuche geworfen werden muss.

 

Die Gefahren

Vorab müssen wir eine kleine Rechenübung durchführen, um die Nachteile in ihrem Ausmass verstehen zu können. Nehmen wir den obigen Zalando-Fall als Ausgangspunkt. Eine wie hier vergleichbar überschaubare Facettensuche mit 10 Filtern und vereinfacht angenommen jeweils 8 unterschiedlichen Ausprägungen besitzt insgesamt also 80 verschiedene Filter. Ebenfalls zugrunde legen wir die wohlwollende stochastische Formel des Ziehens aus einer Urne, ohne Zurücklegen und ohne Beachtung der Ziehungsreihenfolge (Lottoformel).

 

Wenn ein Nutzer von den im Beispiel vorhandenen 80 Filtern stets nur einen Filter anwählt, gibt es also 80 verschiedene mögliche Ergebnis-Pages mit jeweils einer individuellen URL, die die jeweilig angewählten Filter als entsprechende Paramaterkombination enthält. Angenommen man würde den Nutzer derart beschränken, dass er nur eine bestimmte Anzahl an Filtern anwählen darf, dann ergäben sich die folgenden Anzahlen an möglichen Filter-Kombinationen, die alle über eine individuelle URL / Page ausgespielt werden:

 

  • 2 Wahlen ergäben 3’160 mögliche Kombinationen und Pages
  • 5 Wahlen ergäben 2’404’016 mögliche Kombinationen und Pages
  • 6 Wahlen ergäben bereits über 300 Millionen mögliche Kombinationen und Pages

 

Auch wenn eine Auswahl von mehr als 6 Filtern für den Nutzer praktisch irrelevant ist, spielt eine Suchmaschine theoretisch sämtliche Kombinationen von einem gewählten Filter bis zu 80 gewählten Filtern durch, wodurch sich eine praktisch unendliche Anzahl an möglichen Kombinationen und Pages ergibt.

 

  1. Verschwendung von Budgets für Crawling und Indexing

 

Wie bereits angedeutet, arbeiten Suchmaschinen nach dem Prinzip: Entdecken und lesen von Pages (Crawling), Aufnahme dieser Pages in den Suchmaschinenindex (Indexing) und Bewertung der indexierten Inhalte bezüglich der von Nutzern gestellten Suchanfragen und Ausspielen dieser über die Suchmaschinenresultate (Ranking)

 

In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig zu wissen, dass Suchmaschinen jeder Website für das Crawling und Indexing jeweils ein gewisses Budget zuweisen, denn auch die Ressourcen eines Suchmaschinenriesen sind begrenzt. Für das Crawling ist dies ein tägliches Budget und für das Indexing ein mehr oder weniger dauerhaftes Fix-Budget. Einfach ausgedrückt: Irgendwann ist Schluss; die Suchmaschinen hören vorerst auf, eine Website zu crawlen und zu indexieren. Pages, die bis dahin nicht gecrawlt oder indexiert worden sind, haben natürlich erst gar keine Chance auf ein Ranking. Diese Budgets liegen übrigens erstaunlich oft nahe an dem eigenen Bauchgefühl zur Grösse einer Website. Das Problem deutet sich wahrscheinlich schon an.

 

Die oben errechnete unglaubliche Anzahl an Filter-Kombinationen und Pages muss von einer Suchmaschine nun abgearbeitet werden, was – wenn überhaupt machbar – bei der typischen Website Jahrzehnte dauern würde. In Konsequenz bleiben sehr wahrscheinlich unzählige potenziell „gute“ Landingpages zugunsten „schlechter“ Landingpages von Suchmaschinen unentdeckt, sodass am Ende gar keine Page in Suchmaschinen rankt.

 

  1. Entstehung von Duplicate Content

 

Eine Suchmaschine versucht ausserdem stets, sich einen Eindruck von den Inhalten der Website und ihrer Pages zu verschaffen – also zu verstehen, worum es geht und welche Qualität die Inhalte für die gestellten Suchanfragen bieten. Durch die sehr grosse Anzahl an Pages, welche sich zu einem Grossteil in ihren Inhalten kaum bis gar nicht unterscheiden (Duplicate Content), bekommt die Suchmaschine einen schlechten Eindruck von den angebotenen Inhalten, was ein direktes negatives Signal für den Algorithmus der Suchmaschinen darstellt.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Erschöpfung des Crawl-Budgets überhaupt keine Kontrolle darüber herrscht, welche Inhalte von der Suchmaschine interpretiert werden und welche nicht. So kann es schnell passieren, dass bei der inhaltlichen Interpretation nicht nur ein minderwertiger Eindruck der Inhalte der Website bei Suchmaschinen, sondern auch ein unvollständiges und wahrscheinlich verzerrtes Bild der Inhalte entsteht.

 

  1. Verwässerung von Linkwerten

 

Ein in diesem Zusammenhang wichtiges Prinzip ist die Weitergabe von suchmaschinenrelevanten Werten über Links. Jeder gesetzte Link wird von Suchmaschinen als eine Art Referenz betrachtet, die der verlinkten Page ein gewisses Mass an Autorität verleiht. Die verlinkende Page gibt der verlinkten Page einen Teil der eigenen Autorität ab. Dabei werden die weitergegebenen Werte über alle ausgehenden Links aufgeteilt. Diese Autorität einer Page ist ein sehr wichtiger Rankingfaktor.

 

Soll heissen: Wenn nun durch eine Facettensuche Millionen von Pages und dahin ausgehende Links entstehen, kommt damit eine immense Verwässerung der Linkwerte einher. An dieser Stelle blutet die Website sozusagen aus und alle hierarchisch darunter liegenden Pages erhalten kaum noch Werte – was ein Ranking dieser Pages stark erschwert.

 

Verwässerung von Linkwerten in der Facettensuche:

Facettensuche-und-Verwässerung-Linkwerte

Facettensuche + SEO = Land in Sicht!

 

Es wird also deutlich, dass die Gefahren durch die Verwendung einer Facettensuche für die Suchmaschinenoptimierung immens sind. Nach all dem Drama kommt jetzt aber die gute Nachricht: Es gibt relativ einfache Massnahmen, welche es ermöglichen die Potenziale einer Facettensuche zu nutzen, ohne Opfer ihrer hier angedrohten Gefahren zu werden. Diese Massnahmen funktionieren sogar grundsätzlich sehr verlässlich, wenn Web-Entwicklung und SEO – und das ist jetzt wichtig: rechtzeitig – Hand in Hand gehen. Am besten geschieht der Hinzuzug von SEO-Expertise bereits in einem sehr frühen Entwicklungsstadium der Website, wenn noch Einfluss auf strukturelle Dinge genommen werden kann. Denn wenn der Golive erst einmal stattgefunden hat und der Suchmaschinenindex sowie der qualitative Eindruck der Website-Inhalte bei Suchmaschinen verunreinigt sind, kann es lange dauern bis das gewünschte Image bei der Suchmaschine und gute Rankings wiederverdient sind.

 

Doch selbst wenn der Kahn den Staging-Hafen bereits mitsamt seiner Facettensuche verlassen hat, ist es nie zu spät, das Ruder herumzureissen. Es lohnt sich zu jedem Zeitpunkt, entsprechende Optimierungsmassnahmen in Angriff zu nehmen.

 

In einem solchen Optimierungsprozess wird festgestellt, bei welchen Pages der Facettensuche es sich um relevante Landingpages handelt. Basiert auf Recherchen wird beantwortet: Wie viele Filter werden in Suchanfragen von Nutzern noch kombiniert und weisen ein nennenswertes Suchvolumen auf? Alles, was diese Grenze überschreitet soll dann in aller Regel weder gecrawlt, noch indexiert und auch nicht mit Linkwerten versorgt werden. Gleichzeitig sollen sämtliche Facetten aber für Nutzer grundsätzlich erreichbar bleiben.

 

Um dies sicherzustellen entwickeln Suchmaschinenoptimierer und Web-Entwickler ein Konzept aus URL-Parametern, Robots-Noindex-Tags, Canonical-Tags, Nofollow-Link-Attributen und der robots.txt, welche gezielt mit Suchmaschinen kommunizieren und konkrete Anweisungen dazu geben, wie die entsprechende Website gecrawlt und indexiert werden soll. Im Ergebnis heisst das dann: Keine Verschwendung von Crawling- und Indexing-Budgets, kein Duplicate Content, keine Verwässerung von Linkwerten. Dafür gibt es dann relevante automatisch generierte Landingpages, gute Rankings, positive Nutzererfahrung und jede Menge Conversions.

 

Zögern Sie nicht lange: Heuern Sie professionelle SEO Expertise an, die Sie dabei unterstützt, Ihren Kahn solide zu bauen oder zu wenden, um Ihre wertvolle Fracht sicher zu Ihren Kunden zu schiffen.