Entwicklung von Websites im Ausland, vom Fluch zum Segen

Regelmässig flattern attraktive Angebote von ausländischen Anbietern für die Website-Produktion ins Haus. Bevor man sich auf ein solches Angebot einlässt, ist es gut zu wissen, ob es sich lohnt darauf einzugehen, was zu beachten ist und wo die Stolpersteine liegen.

Die Angebote der ausländischen Anbieter sind diversifiziert: Einige erstellen anhand Photoshop-Dateien fertige HTML/CSS Templates, so dass man lediglich noch die dynamischen Elemente zu integrieren braucht. Andere haben sich auf komplette Web-Projekte spezialisiert und stellen ganze Entwickler-Teams zur Verfügung.

Die Vorteile der Auftragsvergabe an eine Firma im Ausland liegen auf der Hand: Die Produktion ist günstiger, die Ressourcen sind freier skalierbar. Trotzdem sind die Nachteile zu beachten: Oft wird die Aufgabe wegen der unterschiedlichen Sprachkenntnisse und Qualitätsauffassungen nicht gleich verstanden und interpretiert. Da die meisten Outsourcing Projekte in Englischer Sprache abgewickelt werden, führen die ungleichen Sprachkenntnisse oft zu Missverständissen bei der Interpretation der Aufgabe. Rückfragen sind, z.B. wegen der Zeitverschiebung nicht einfach, der direkte Kontakt zu den Entwicklern ist selten möglich und nach Projektabschluss häufig unmöglich. So endet ein Projekt für unerfahrene Unternehmen öfter mal im Fiasko. Wer nicht über Erfahrung in der Definition von Anforderungen, im Change Management sowie in der Beurteilung des Resultats verfügt, sollte besser die Finger davon lassen.

Die Vergabe eines Projekts an einen Partner im Ausland erfordert eine starke Projektleitung: Die «Mitarbeiter» im Ausland müssen eng geführt werden. Für kleinere Projekte ist die regelmässige Abstimmung via Telefon oder Mail ausreichend, bei grösseren Projekten erhöht sich der Projektleiter-Aufwand exponentiell. Nicht selten sind sogar persönliche Meetings vor Ort notwendig.

Ein überschaubares Projekt wie eine Landingpage kann ohne grosses Risiko im Ausland produziert werden. Mit zunehmender Komplexität steigt jedoch das Risiko, dass man sich im Projektverlauf aufgrund der oben genannten Faktoren vom eigentlichen Ziel entfernt oder dass – für uns selbstverständliche – Anforderungen anders umgesetzt werden als erwartet und das Projekt im Frust endet.

Vor der Vergabe eines Projekts ins Ausland, sind unter anderem die unten aufgeführten Punkte zu prüfen, um den grossen Ärger zu vermeiden:

  • Wie wichtig ist die Kommunikation in Deutscher Sprache?
  • Ist die direkte Zusammenarbeit mit den Programmierern erforderlich oder ist der Kontakt zum Projektleiter des Auftragnehmers ausreichend?
  • Kann das Projekt detailliert genug in der Sprache des Entwicklers spezifiziert werden?
  • Ist man bereit, sich dem Entwicklungsprozess des Partners unter zu ordnen?
  • Wird das Endprodukt weiterentwickelt und von wem?

Die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister im Ausland wird sich erst im Laufe der Zeit auszahlen. Darum empfiehlt es sich, Schritt für Schritt vorzugehen, um Vertrauen und Erfahrung zu gewinnen. Durch die Annäherung des Qualitäts- und Technologiebewusstseins formt sich mit der Zeit eine solide Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Wer auf die Schnelle ein Projekt im Ausland in Auftrag geben will, fährt zum Schluss günstiger, wenn er es mit einem lokalen Partner realisiert.