Vor dem Briefen reflektieren.

Vor dem Briefen reflektieren.

Eine Website hat in der Regel die Aufgabe, ein Marketingbedürfnis erfüllen. Wenn ich die Resultate betrachte, ist es zum Teil fragwürdig, ob das Bedürfnis erkannt und umgesetzt wurde. Liegt der Grund in einschränkenden Briefings und Vorstellungen oder in einer unreflektierten Umsetzung?
Die Prozesse zur Entwicklung von Webauftritten, die Technologien für die Umsetzung und die Vermarktungsinstrumente sind vielfältig und das Zusammenspiel komplex. Selbst für uns Webspezialisten ist es aufwändig, sämtliche Möglichkeiten zu verfolgen und zu beurteilen; Nicht-Spezialisten haben da den Überblick schon längst verloren. Dennoch wird das Wissen der Webspezialisten im Ausschreibungsprozess für eine neue Website wenig genutzt.

Ich beobachte, dass immer wieder Briefings für einen neuen Webauftritt ohne vorherige Reflexion mit potentiellen Partnern verteilt werden und das günstigste Angebot den Zuschlag erhält. Diese Vorgehen führt oft zu unangenehmen Überraschungen: Relevante Anforderungen werden nicht erkannt und nicht explizit für die Offertstellung verlangt. Wenn diese Anforderungen im Projektverlauf auftauchen, entstehen kostspielige Nachbesserungen und nicht selten auch Streitigkeiten zwischen Auftraggeber und Dienstleister.

Meine Erfahrung ist, dass Unternehmen welche die funktionalen und nicht funktionalen Anforderungen an ihren Webauftritt sammeln und diese mit Spezialisten reflektieren, bevor sie das Briefing endgültig verabschieden, ein optimales Endresultat erhalten. Die Reflexion erweitert den Horizont des Auftraggebers, hilft eventuelle Schwachpunkte des Briefings frühzeitig zu erkennen und neue Aspekte für die Umsetzung aufzudecken. Nicht selten hat der Mehrwert der Erkenntnisse einen markanten Einfluss auf die Projektausrichtung. Mit den Erkenntnissen der Reflexion formulieren sie ein präzises Briefing mit welchem sie strukturierte, vergleichbare Offerten einfordern können.

Eine Reflexionen vermittelt Sicherheit: In der Diskussion der Anforderungen erkennen sie, wie fit ihr Gesprächspartner im Umgang mit den Web- und Online Marketing-Instrumenten ist, wie er die Anforderungen beurteilt und wie er sich die Aufgabe angeht. Spätestens nach drei Gesprächen sind sie in der Lage, die Qualität der potenziellen Partner, ihres Briefings sowie die Budgetvorstellungen zu beurteilen.

Auch wenn die Briefing-Anforderungen in ihrem Unternehmen ausführlich diskutiert wurden, verfügen sie nicht über die Sicherheit, alle wesentlichen erkannt zu haben. Darum zahlt es sich aus, ihre Anforderungen und Vorstellungen mit Spezialisten zu erörtern, bevor das Briefing für den Relaunch einer Website erstellt und verteilt wird. So sparen Sie im Projektverlauf viel Zeit und Ärger.

Imre Sinka