Image-Kampagnen der Polizei im Vergleich

Der Polizeiberuf hat heutzutage eindeutig an Status und Prestige eingebüsst. Vielleicht ist dies auf die steigende Individualisierung moderner Gesellschaften zurückzuführen, wodurch wir uns alle mehr mit uns selbst beschäftigen, ein sinkendes Kollektivbewusstsein besitzen und weniger staatshörig sind, als dies noch wenige Generationen zuvor zu beobachten war. Trotz des Imageverlustes der Polizeiarbeit ist in der Bevölkerung doch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis wahrzunehmen. Braucht die Gesellschaft also nicht polizeiliche Heldenfiguren, die das Gefühl des Beschützt-seins in den Köpfen der Menschen konstituieren? Sehnen wir uns nicht alle danach, dass heroische Figuren für die absolute Sicherheit sorgen?

 

Image-Kampagnen der Polizei

KAPOZHDie Kantonspolizei Zürich auf der Suche nach Nachwuchs

Zahlreiche Kampagnen und Kommunikationsaktivitäten, seitens polizeilicher Institutionen scheinen darauf hinzudeuten, dass solche Fragen zurzeit Diskussionsstoff bieten und man bestrebt ist, die Polizei in den Köpfen der Beschützten neu zu positionieren. Zu erwähnen wäre hierbei die Kantonspolizei Zürich, die mit einer gross angelegten Print-Kampagne in Zeitungen, Magazinen und auf Plakatwänden nach Nachwuchs „fahndet“.
Genauso auf der Suche nach jungen Ordnungshütern ist die Polizei in Genf, wobei die besagte Polizeistelle für die Neugestaltung des Images ihres Berufes auf digitale Kommunikation setzt. Aber auch in den Vereinigten Staaten wird versucht mittels digitaler Kommunikation das Image der Polizei zu pushen. So lancierte das MPD (Milwaukee Police Department) kürzlich die Website www.milwaukeepolicenews.com, deren Ziel wohl ebenfalls die Imageverbesserung der örtlichen Polizei ist. Die besagten Kommunikationsstrategien sollen hier einem Vergleich unterzogen werden.

Genf setzt auf Flash

Die Genfer Polizei setzt in ihrer Rekrutierungskampagne auf eine aufwändig produzierte Flash-Animation, die Polizisten in überhöhten Arbeitssituationen zeigt. Der User wird dabei durch diverse Actionszenen geführt, wobei jeweils ein Klick auf die Personen zu einem Video führt, in dem die einzelnen Berufsgattungen von Polizisten erklärt werden. Dabei fällt auf, dass die Art und Weise, wie die Personen ihre Berufe präsentieren nur schwer mit den vorangehenden Actionszenen vereinbar sind. So wird zum Beispiel von einer der porträtierten Personen erörtert, er habe den Job primär angenommen, um seine Familie zu ernähren. Sofort tut sich also eine Diskrepanz auf, zwischen der übertriebenen visuellen Darstellung, die ungemein an Polizeieinsätze im Kino erinnert und der nüchternen (typisch helvetischen) Zurückhaltung, mit der Polizisten ihre Arbeit beschreiben. Visuell werden Polizisten als grosse Helden präsentiert – beginnen sie aber erst zu sprechen, so wird klar, dass der Normalfall der Polizeiarbeit wenig mit Actionszenen aus Hollywood gemein hat, sondern doch eher ein ganz normaler Beamtenberuf ist.

Polizei Genf FlashEinstieg in die Animation der Genfer Polzei

 

MDP setzt auf Pathos

Typisch amerikanisch wird beim MPD (Milwaukee Police Department) mit weit weniger Zurückhaltung kommuniziert. Visuell wird ebenfalls über die Action-Masche versucht die Rezipienten für die Arbeit des MPDs zu begeistern: Der Hintergrund der Website wird bestimmt durch schwer bewaffnete Polizisten, die hoch konzentriert einem Polizeiauto entsteigen, welches hierzulande wohl eher Panzer genannt würde. Die ansonsten erstaunlich leicht und elegant gestaltete Website des MPD konfrontiert einen beim Besuch zuerst mit einer Headline im Boulevard-Stil, über die man zu einer Story aus dem Berufsalltag der Ordnungshüter geführt wird. Hier eröffnet sich der signifikanteste Unterschied in der Präsentation der beiden Institutionen: Während die persönliche Beschreibung der Arbeit der Genfer Polizei zurückhaltend und realitätsnahe gezeigt wird, schlagen die amerikanischen Kollegen auch vom textlichen Inhalt her treffsicher in die Hollywood Kerbe. So wurde am 17. November eine Story publiziert, in der erklärt wird, wie Polizisten des Milwaukee Departments lungernde Personen spontan befragten. Durch die Befragung kam zu Tage, dass eine der Personen als vermisst galt. Den Höhepunkt erreicht die Geschichte damit, dass über die Befragung der besagten Individuen herausgefunden wurde, dass die als vermisst gemeldete Person an einem bewaffneten Raubüberfall beteiligt war. Leicht pathetisch wird geschlossen: „This is an example of the daily police work our officers are engaged in – they know who belongs in the neighborhood and who doesn’t. And when they stop a group of people to talk and conduct a field interview, they never know how it all might turn out. Great work by these District 7 Officers!“ Pathos ist ganz allgemein das Stichwort, welches sich wie ein roter Faden durch die Präsentation des MPDs zieht – Polizisten sind Helden und so werden sie auch dargestellt – in allen Stories, auf den Bildern und letztlich in der Rubrik Heroes, die über einen Link auf der Home erreicht wird. Auf dieser Site werden nicht nur die Heldentaten der einzelnen Polizisten (die übrigens namentlich aufgeführt sind) beschrieben, sondern dem Besucher der Website auch die Möglichkeit geboten über einen Tab zu den „Fallen Heroes“ zu gelangen, wo man nachlesen kann, welche Polizisten in den letzten Jahren unter welchen Umständen im Dienst gefallen sind. Schwer vorstellbar, dass dies in der Schweiz so umgesetzt werden könnte.MPD Home

Home der MPD-Website

 

Die einen „bünzlig“ – die anderen „over the top“

Als Fazit kann gesagt werden, dass beide Websites mit ähnlichen Mitteln arbeiten und versuchen Polizeiberufe als Action-Movie-Jobs darzustellen. Der grosse Unterschied liegt aber in der Konsequenz mit der das Thema kommuniziert wird. Während sich die Genfer Polizei anscheinend nicht so richtig traut die Überhöhung ins Groteske zu ziehen, fällt dies dem MPD spielend leicht. Die Frage, die sich dabei aber aufdrängt ist, ob die Darstellung der Polizei als Actionhelden wirklich das richtige Bild auf die Polizei wirft. Eingehend wurde angedeutet, dass es durchaus sein könnte, dass wir heldenhafte Polizisten brauchen um unser Sicherheitsbedürfnis hinreichend zu stillen. Doch konstituieren diese Kommunikationsstrategien wirklich das Bild des aufrichtigen Helden?

Die Website der Genfer Polizei tut sich schwer, überhaupt ein stringentes Bild eines Polizisten zu vermitteln. Zum einen sehen wir die Beamten in Szenen, die man sich nur schwer im schweizerischen Polizeialltag vorstellen kann. Zum anderen präsentieren sich die Polizisten selber genauso „bünzlig“ und wenig heroisch, wie man das von einem Schweizer Beamten erwarten würde. Hier scheint also die Kommunikation dahingehend zu scheitern, dass es nicht gelingt ein stringentes Bild eines Polizisten zu präsentieren, was letztlich genau das Gegenteil der eigentlichen Absicht bewirkt: Anstelle der Vorstellung des heldenhaften Beschützers haben die Rezipienten dieser Kommunikation kein  konkretes Bild im Kopf, wodurch das Image der Polizei keinesfalls verbessert, im besten Fall gleich diffus bleibt, wie sie es bereits war.

Beim MPD ergibt sich eine andere Problemstellung, die es zu diskutieren gilt: hierbei ist definitiv nicht die Stringenz der Kommunikation das heikle Thema, sondern vielmehr die Art und Weise wie „der Polizist“ skizziert wird. Ist der Held aus dem Ego-Shooter Game oder der Protagonist der Die-Hard Serie wirklich die Referenz für einen Polizisten? Wollen wir wirklich von unbeherrschten, cholerischen Rowdies beschützt werden? Vielleicht stellt man sich diese Frage als Amerikaner weniger, trotzdem tut sich bei so einer Präsentation schnell eine Missbrauchsvermutung auf und man hinter sinnt sich unweigerlich, ob man Polizisten in den Köpfen der Menschen als wilde Draufgänger verankert haben möchte.

Letztlich kann man sagen, dass es vielleicht eine der schwierigsten Aufgaben ist, einer Institution wie der Polizei ein neues und frischeres Image zu verpassen. Zu viele Schemata existieren bereits in den Köpfen der Menschen und diese divergieren je nach eigener Intentionen und kultureller Prägung einer Person. Daneben existiert die Schwierigkeit ein attraktives, sexy Image zu finden, welches doch auch noch mit den normativen Ansprüchen an eine derartige Organisation einhergehen kann. Können diese Punkte in Einklang gebracht werden steht auch einer Neuausrichtung eines Polizeiimages wenig im Weg – doch leider ist dies keiner der beiden diskutierten Kommunikationsstrategien in vollem Umfang gelungen.