WIAD – World Information Architecture Day

«Information Architecture are structures that we use to make sure that the information people need is easy to find and to understand. A practice dedicated to bringing understanding and order to the chaos that is the information that we produce in our everyday lives.» Soweit die Definition, wie sie an der Veranstaltung des WIAD Zürich aufgeführt war.

Einmal jährlich findet der World Information Architecture Day in Städten rund um den Globus statt. Die erste schweizer Ausgabe, die letzten Samstag in Zürich stattfand, stand ganz im Zeichen von «Architecting Happiness». Vier einheimische und zwei internationale Referenten berichteten vor ausgebuchten Rängen von ihren Erfahrungen in ambitionierten Projekten und teilten Kenntnis und Wissen rund um Chaos und Komplexität, resp. Ordnung und Struktur.

Den Auftakt machte Keynote Speaker Andrea Resmini von der Jönköping International Business School mit einem philosophischen Exkurs über uneingeschränkte Autorschaft und deren Auswirkung auf die Gesellschaft. Was passiert wenn wir plötzlich alle Schöpfer unserer Umwelt sind? Wenn Produkte zu Service werden? Wenn Information rund um die Uhr zugänglich und veränderbar ist und der Cyberspace keine 3D-Simulation, sondern unsere Realität ist? Web und Mobile haben neue Räume geschaffen, in denen sich Menschen begegnen. Reale, halbreale oder Mischformen davon. Kulturelle und soziale Verschiebungen haben stattgefunden. «Mobile is not the revolution, it makes the revolution» oder etwas anders ausgedrückt «when we make the tools, the tools make us».

Im zweiten Block illustrierten vier Case Studies kürzlich realisierte Projekte. Natalie Meystre, einzige weibliche Referentin, stellte das interaktive Orientierungssystem der ETH Lausanne vor. Ein Tool, das die Angehörigen der Hochschule durch den weit verzweigten Campus führt. Memi Beltrame von Less a Mess gab anhand einer Verwaltungs-Applikation für Grossveranstaltungen Einblick in Vorgehensweise und Prototyping bei datenintensiven Projekten. Adam Ungstad (Ungstad Information Architects) reorganisierte die Unternehmens-Informations-Architektur der FIFA und Christoph Schmid stellte eine e-Health Applikation vor, bei der die Herausforderung in deren Erweiterbarkeit bestand. Besonders interessant hierbei war die «DO/GO»-Mapping Methode, mit der Struktur und Content definiert wurden. Alle vier Referate gaben interessanten Einblick in typische Problemstellungen.

Den Abschluss machte Peter Morville (Semantic Studios, Michigan) als zweiter Keynote Speaker. In seinem kritischen Referat «The Architecture of Understanding: Planning and Placemaking for Happiness» ging er der Frage nach, wie durch eine ganzheitliche Sichtweise tiefgreifender kultureller Wandel stattfinden könnte. «If we take time to understand the nature of information in systems, we can shape profound change.» Dabei appellierte er v.a. an die Verantwortung von Informations-Architekten und UX-Designern als Agenten des Wandels. «Dig deep and understand governance and culture before starting. Stories are the currency of cultural change.» Sein Talk war, wie jener von Andrea Resmini auch, mehr auf theoretischer Ebene anzusiedeln.

In den Pausen zwischendrin blieb ausreichend Zeit für Gedankenaustausch und Networking. Der familiäre Rahmen des Events hat sicherlich dazu beigetragen. Im Gespräch mit einem Gast aus Berlin erfuhr ich nämlich, dass dies zum Beispiel in Berlin, wo der Anlass um einiges grösser ist, viel weniger der Fall ist. Alles in allem also ein informativer und gelungener Anlass, nicht nur für Web-Spezialisten. Wir gehen wieder hin!